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Gastbeitrag: Erfassung der Auswirkungen einer einheitlichen, weltweiten CO2-Abgabe

Die Weltbank räumt ein, dass die Kohlenstoffpreise langfristig steigen müssen, damit Investitionen in dem erforderlichen Umfang und Tempo vorangetrieben werden können. Um die globale Erwärmung unter 2°C zu halten, müssen die Preise bis 2030 zwischen 50 und 100 US-Dollar pro Tonne CO2 liegen. Obwohl derzeit weltweit 73 Kohlenstoffsteuern erhoben bzw. Emissionshandelssysteme (ETS) betrieben werden, fielen im April 2023 weniger als 5% der weltweiten Treibhausgasemissionen unter die für 2023 vorgesehene Spanne.¹

Bethan Rose

Aufteilung der Einnahmen
Nach den vom Institute of Climate Economics erhobenen Daten waren etwa 40% der Einnahmen aus Kohlenstoffsteuern und Emissionshandelssystemen zweckgebunden — sie wurden daher insbesondere für „grüne Ausgaben“ verwendet. 10% wurden direkt an gefährdete Haushalte und Unternehmen weitergeleitet. Neue Untersuchungen der OECD zeigen, dass die Öffentlichkeit die Klimapolitik inklusive Emissionshandelssysteme und Kohlenstoffsteuern nur dann stärker unterstützt, wenn die Einnahmen zur Finanzierung grüner Infrastrukturen und kohlenstoffarmer Technologien verwendet oder an einkommensschwache Haushalte und die von klimapolitischen Maßnahmen am stärksten Betroffenen umverteilt werden. Derzeit werden die meisten Einnahmen aus indirekten Kohlenstoffpreissystemen nicht für spezifische Zwecke verwendet.²

Es ist schwierig, ein einheitliches Kohlenstoffpreismodell für alle Industriezweige zu schaffen, da sie sehr unterschiedlich sind und über je eigene Lieferketten verfügen. Einen Konsens zu erzielen kann daher als echte Herausforderung betrachtet werden. Durch die Begleitung ergänzender staatlicher Maßnahmen könnte eine effiziente sektorübergreifende Bepreisung von Kohlenstoff erreicht werden, und gleichzeitig würde eine gemeinsame Basis geschaffen.

Anwendung einer einheitlichen Steuer
Acht der zehn größten Emittenten in den Evenlode-Portfolios unterliegen einem Kohlenstoffpreismechanismus, in den meisten Fällen einem Emissionshandelssystem. Dies deckt jedoch oft nur einen kleinen Teil der Scope-1-Emissionen sowie punktuelle Scope-2-Emissionen ab — Scope-2-Emissionen sind allgemein am niedrigsten, da sie Strom erfassen, der mit erneuerbaren Energien erzeugt werden kann. Wenn Preisbildungsmechanismen wirklich greifen sollen, müssen sie einen größeren Teil der Emissionen von Unternehmen abdecken.

Positiv zu vermerken ist, dass sechs der zehn Unternehmen in Bezug auf die allgemein akzeptierte Preisspanne für Kohlenstoff (50-100 US-Dollar) einen internen Schattenpreis für Kohlenstoff ab 50 US-Dollar ansetzen. Für Unternehmen, die derzeit keinen Schattenpreis für Kohlenstoff verwenden, sind die Risiken höher — daher sind eine genauere Überwachung und ein gezielteres Engagement erforderlich. Diese Unternehmen sind in finanzieller Hinsicht eventuell nicht auf eine obligatorische Kohlenstoffsteuer vorbereitet.

Anhand unserer jüngsten Analyse der Kohlenstoffemissionen haben wir die zehn größten Emittenten in unseren Portfolios auf einer absoluten Basis ermittelt und berechnet, wie sich ein Kohlenstoffpreis von 50 GBP, 75 GBP und 100 GBP pro Tonne auswirken würde. Dies steht im Einklang mit dem wissenschaftlichen Konsens, demzufolge bis 2030 ein Kohlenstoffpreis zwischen 50 und 100 US-Dollar erreicht werden muss.

So wurden beispielsweise die Emissionen von Proctor & Gamble (P&G) am unteren Ende besteuert (50 GBP pro Tonne CO2). Dies entspricht 112 Mio. GBP für Scope 1 und 7,8 Mio. GBP für Scope 2. Die sonstigen indirekten Scope-3-Emissionen würden sich etwa auf 1 Mrd. GBP belaufen, was allerdings nur 2,14% der Einnahmen aus den Emissionsrechten entspräche. Bei den betrieblichen Erträgen ist dieser Anteil mit 7,89% deutlich höher. Würde morgen eine Kohlenstoffsteuer eingeführt, wäre die Folge ein Rückgang der betrieblichen Erträge um 7 Mrd. US-Dollar bis 2030. Wenn P&G nicht aktiv wird, entstehen dem Unternehmen letztendlich höhere Kosten.

Bei einem Kohlenstoffpreis von 100 GBP würden sich die Emissionsrechte für P&G auf knapp 240 Mio. GBP für Scope-1- und Scope-2-Emissionen und auf über 2,1 Mrd. GBP für Scope-3-Emissionen belaufen — dies entspricht einem Gesamtbetrag von 4,32% der Einnahmen und 15,78% der betrieblichen Erträge. Die Komplexität der Besteuerung von Scope-3-Emissionen verdeutlicht die potenziellen finanziellen Verbindlichkeiten für P&G, auch wenn nicht wirklich mit ihnen zu rechnen ist.

Darüber hinaus sollten die verschiedenen Bandbreiten der von den Unternehmen festgesetzten internen Preise berücksichtigt und die Lücke zu den tatsächlich zu erwartenden Verbindlichkeiten geprüft werden. Wenn P&G beispielsweise einen Kohlenstoffpreis von 8-100 US-Dollar bzw. 6,57-90 GBP ansetzt, könnten die hieraus entstehenden Verbindlichkeiten zwischen 156,5 Mio. GBP und 2,15 Mrd. GBP liegen. Diese Kohlenstoffpreise, die derzeit noch theoretische, intern erstellte Schattenpreise sind, dienen als Grundlage für Entscheidungen bezüglich der Kapitalallokation. Die übergreifende Botschaft ist klar: Zukünftig können erhebliche, nicht zu unterschätzende Kohlenstoffkosten bzw. -verbindlichkeiten auf Unternehmen zukommen.

Einnahmen, Gewinnspanne, Weitergabe von Kosten
Da kein koordinierte Ansatz vorhanden ist, könnten Unternehmen, die Kohlenstoffpreise zahlen müssen, von Konkurrenten aus Ländern mit laxeren Umweltvorschriften unterboten werden. Dies verleitet dazu, die Produktion ins Ausland zu verlagern, was als „Carbon Leakage“ (Verlagerung von CO2 -Emissionsquellen) bezeichnet wird.

Unternehmen können selbst bestimmen, in welchem Umfang sie die diesbezüglichen Kosten an ihre Kunden weitergeben, aber wenn diese Kosten im vorgelagerten Bereich absorbiert werden, haben die Verbraucher weniger Anreize, ihr Verhalten zu ändern. Diese Zahlen sind schwer zu ermitteln, da bestimmte Branchen, die in das Emissionshandelssystem der EU einbezogen sind, ihre Kosten nicht weitergeben. Dies ist zum Teil auf Bedenken der Unternehmen in Bezug auf den Wettbewerb und auf eine erhoffte Maximierung des Marktanteils zurückzuführen. Auswirkungen hat dies auch auf die Arbeitskosten, da Steuern oft eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Produktpreises spielen.³

Eine schlecht konzipierte Besteuerung des Kohlenstoffpreises kann Haushalte mit niedrigem Einkommen unverhältnismäßig stark treffen, da sie einen größeren Anteil für kohlenstoffintensive Güter aufbringen müssen. Diese Haushalte können gegebenenfalls nicht vorab in kohlenstoffarme Alternativen wie Gebäudedämmung oder Elektrofahrzeuge investieren.

Wie reagieren die Unternehmen?
Die Kompensation von Emissionen wird häufig in Verbindung mit der Bepreisung von Kohlenstoff diskutiert. So dienen Emissionszertifikate etwa zur Neutralisierung von Emissionen. Die Kompensation von Emissionen spielt eine wichtige Rolle beim Übergang, vor allem in Sektoren, in denen sich eine Verringerung der Emissionen schwierig gestaltet. Die Unternehmen sind uneins Frage, ob sie Emissionskompensationen als Teil ihres Übergangsplans nutzen wollen oder nicht.

Der Jahresbericht von Unilever stellt fest, dass bis 2030 unter 37% der erforderlichen Emissionsreduzierungen durch natürliche Klimalösungen erreicht werden könnten. Der mit 1 Mrd. Euro ausgestattete Climate & Nature-Fonds von Unilever investiert in Projekte, die den Klimawandel durch Umweltschutz- und Regenerationsmaßnahmen positiv beeinflussen. Unilever hat erklärt, dass einige Projekte Emissionszertifikate generieren könnten, jedoch nicht als Mittel zur Emissionsreduzierung, sondern darüber hinaus — ein entscheidender Unterschied.

Der Konzern macht deutlich, dass glaubwürdige Netto-Null-Strategien mit wissenschaftlich fundierten Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung beginnen müssen, die nach Umsetzung aller möglichen Reduzierungsmaßnahmen durch den Abbau von Kohlenstoff ergänzt werden. Und genau dies sollte für alle Unternehmen als Ausgangspunkt dienen. Unternehmen müssen ihre Emissionen reduzieren und gleichzeitig in Projekte zur Kohlenstoffspeicherung investieren.

Besseres Engagement
Ein wichtiges Ergebnis der Analyse ist eine konkrete Strategie für das Engagement im Hinblick auf besonders emissionsintensive Unternehmen in unserem Portfolio. Unternehmen müssen bei ihren Entscheidungen zur Finanzplanung ihren Kohlenstoffausstoß und damit ihre langfristigen Ziele zur Verringerung der Treibhausgasemissionen in angemessener Weise berücksichtigen. Dies steht im Einklang mit dem Netto-Null-Investitionsrahmen (Net Zero Investment Framework, NZIF). Hierdurch wird außerdem gewährleistet, dass Unternehmen ihre Kohlenstoffreduktionsziele erreichen und gleichzeitig ihr Kapital schützen können.

¹ https://openknowledge.worldbank.org/entities/publication/58f2a409-9bb7-4ee6-899d-be47835c838f
² https://openknowledge.worldbank.org/entities/publication/58f2a409-9bb7-4ee6-899d-be47835c838f
³ https://green-alliance.org.uk/wp-content/uploads/2023/06/Carbon_pricing_policy_insight_WEB.pdf

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*) Bethan Rose, Analystin für nachhaltige Anlagen bei Evenlode Investment