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Gastbeitrag: Externer Chief Investment Officer – effizienter und besser investieren

Bei institutionellen Investoren weltweit findet das Modell immer mehr Anklang, doch in Deutschland ist es noch kaum verbreitet: der Outsourced Chief Investment Officer (OCIO). Darunter versteht man das Prinzip einer diskretionären Verwaltung von Vermögenswerten, die zwar auf die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen des jeweiligen Kunden zugeschnitten ist, aber vollständig oder teilweise an einen spezialisierten Vermögensverwalter delegiert wird.

Marjolein van Dongen

Institutionelle Anleger stehen vor einer Vielzahl von Herausforderungen: Zum einen wächst der Druck, nachhaltig attraktive und risikogerechte Rendite zu erzielen, während gleichzeitig die betriebswirtschaftlichen Kosten für die Verwaltung dieser Anlagen steigen. Hinzu kommen die zunehmenden Komplexitäten an den Kapitalmärkten und unvorhersehbare Ereignisse wie die Corona-Pandemie oder geopolitische Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten, die erheblichen Stress in den Portfolios institutioneller Investoren verursachen können. In Kombination mit den stetig steigenden regulatorischen Anforderungen entsteht ein vielschichtiges Konglomerat aus Herausforderungen, das insbesondere kleinere Kapitalsammelstellen dazu veranlasst hat, sich zu fragen, ob sie die Gelder der Endanleger mit ihren eigenen Mitteln noch angemessen und kosteneffizient investieren können.

Vielen Organisationen fehlt es an ausreichend breiten Ressourcen oder spezifischem Fachwissen, um den wachsenden Komplexitäten zu begegnen. Hier setzt das OCIO-Modell an: Die Attraktivität von OCIO-Dienstleistungen liegt in der Fähigkeit, maßgeschneiderte, ganzheitliche Lösungen anzubieten, die die Kunden von langfristigen und auch den täglichen Anlageentscheidungen entlasten. Dabei reicht die Palette der Dienstleistungen von der Beratung für ein Teilportfolio über die Ausrichtung eines Portfolios mit Investitionsfreigabe durch den institutionellen Investor bis hin zur kompletten Delegation an einen externen Partner mit strategischer und taktischer Verantwortung für die Verwaltung des gesamten Portfolios. Dies umfasst dann unter anderem die Anlagepolitik, Liquiditätssteuerung und Vermögensallokation, die Auswahl der Vermögensverwalter und das Risikomanagement. Der Investor bleibt dabei aber Eigentümer des Vermögens und definiert das Gesamtziel, während der OCIO-Partner die Konzeption und den strategischen Aufbau der Anlagelösung sowie optional die operative Umsetzung sicherstellt. Auf der Ebene einzelner Mandate arbeiten Investoren seit jeher mit externen Asset Managern zusammen – doch auch auf der Ebene des Gesamtportfolios kann die Auslagerung bestimmter Aufgaben die effizientere Lösung sein. So sind verschiedene differenzierte Modelle möglich, je nachdem wie weit der Investor Teile der Arbeit delegieren oder die Verantwortung im Haus behalten möchte.

Außerdem erlaubt eine solche Auslagerung den Investoren, auf die Expertise eines spezialisierten Partners wie Anthos zuzugreifen, der über langjährige Erfahrung in der Verwaltung komplexer Portfolios verfügt. In der Tradition der Eigentümerfamilie Brenninkmeijer spielt insbesondere die Vermögensverwaltung nach Nachhaltigkeitszielen und nachhaltiger Wirkung eine große Rolle. Ähnlich wertebasierte Investoren können davon profitieren. Denn gerade die strenger werdenden regulatorischen Vorgaben für nachhaltiges Investieren erfordern spezifische Kenntnisse und – für Zugang und Auswahl von zielgerechten Investments – eine tiefe Verankerung im Markt.

Generell hat die zunehmende Komplexität der Kapitalmärkte bereits in den USA, Australien und Großbritannien für die Verbreitung des OCIO-Modells gesorgt. Aktuelle Studien legen nahe, dass der globale OCIO-Markt weiterhin wachsen wird. Das in OCIO-Strukturen verwaltete Vermögen hat sich in den letzten acht Jahren mehr als verdoppelt und soll bis 2029 auf 4,7 Billionen Dollar anwachsen¹. In Deutschland nutzen bislang einige Handvoll kleiner und mittelgroßer Institutioneller das Angebot eines OCIO, doch eine deutlich steigende Nachfrage ist erkennbar, insbesondere bei kleineren und mittleren Stiftungen sowie Family Offices.

Die Vorteile für institutionelle Investoren
1. Expertise und Effizienz: Ein OCIO bringt tiefgehende Marktkenntnisse und größere Ressourcen mit. Durch seinen besseren Zugang zu liquiden und illiquiden Anlageklassen haben OCIO-Kunden Zugang zu einem dichteren Netz an Asset Managern. Dadurch profitieren Kunden von fundierten Anlageentscheidungen und einer effizienten Umsetzung.
2. Maßgeschneiderte Lösungen: Jeder Investor hat individuelle Ziele, seien es langfristige Renditeziele, ESG-Vorgaben, der Wunsch nach Nachhaltigkeit oder die Einhaltung bestimmter regulatorischer Standards. Der OCIO entwickelt gemeinsam mit seinem Kunden eine individuelle Anlagestrategie, die diesen Zielen entspricht.
3. Risikomanagement: Eine der Kernkompetenzen eines guten OCIO ist ein umfassendes und proaktives Risikomanagement. Dies ermöglicht, Risiken nicht nur zu identifizieren, sondern auch gezielt zu steuern.
4. Kosteneffizienz: Durch Skaleneffekte und die Verhandlungsmacht eines erfahrenen OCIO-Partners können Investoren Kostenvorteile erzielen, sei es bei der Auswahl von Asset Managern, im Handel oder der Kontrolle der Produktkosten.
5. Zeitersparnis: Indem operative Aufgaben ausgelagert werden, gewinnen institutionelle Investoren wertvolle Zeit, um sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren.

„Anthos hat uns nicht nur geholfen, unsere Renditeziele zu übertreffen, sondern auch sicherzustellen, dass unsere Investments mit unseren Werten im Einklang stehen“, berichtet der Vorstand einer Stiftung, für die Anthos eine komplexe Anlagestrategie mit einem Fokus auf nachhaltige Investments entwickelt hat und umsetzt. „Unsere Zusammenarbeit begann mit einer umfassenden Analyse der bisherigen Strategie und einer Neudefinition der Anlageziele. Durch die enge Zusammenarbeit mit Anthos konnte eine nachhaltige und zugleich renditeorientierte Strategie implementiert werden, die flexibel auf Marktentwicklungen reagiert.“

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die nahtlose Integration des ausgelagerten CIO in bestehende Strukturen. Ein kompetenter OCIO wird sich hier nicht nur flexibel einfügen, sondern auch aktiv auf die Optimierung interner Prozesse hinwirken, sofern dies für erfolgreiche Anlageentscheidungen erforderlich ist. Flexible Kooperationsmodelle, transparente Kommunikation und klar definierte Rollen gewährleisten, dass die Entscheidungsfreiheit des Kunden gewahrt bleibt und er die letztliche Kontrolle über das Vermögen behält. Jeder institutionelle Anleger kann präzise festlegen, in welchem Umfang und auf welche Weise wir seine spezifischen Bedürfnisse unterstützen sollen. Durch diese enge Zusammenarbeit und das Teilen gemeinsamer Werte bleibt die zentrale Investitionskultur des Kunden erhalten.

Zwei wesentliche Verantwortlichkeiten verbleiben ohnehin beim Kunden: Zum einen das Einbringen eventueller neuer, relevanter Informationen zur Verfolgung der allgemeinen Anlageziele, zum anderen die abschließende Überwachung der vom OCIO-Anbieter bereitgestellten Performanceberichte mittels detaillierter Reportings. In selteneren Fällen übertragen Kunden jedoch auch die volle Verantwortung und behalten sich lediglich ein Vetorecht bei den Anlageentscheidungen vor.

Fazit
Das OCIO-Modell ist eine zukunftsweisende Lösung für institutionelle Investoren, deren Kernkompetenz nicht die Vermögensverwaltung selbst ist, namentlich die Pensionskassen von Unternehmen, kirchliche Organisationen oder Stiftungen. Es bietet Zugang zu Expertise, entlastet interne Ressourcen und schafft Kosteneffizienzen, ohne dabei die Kontrolle über die strategische Ausrichtung abzugeben. Durch die Auswahl eines OCIO mit einem ähnlichen Wertegerüst bleibt auch die spezifische Kultur des Investors gewahrt. Gerade bei Investitionen in Alternative Anlagen wie Private Equity, die auf lange Sicht sehr attraktive Renditen bieten, sind Zugang, Größenvorteile und spezifische Erfahrung wichtige Erfolgsfaktoren, die ein nicht darauf spezialisierter institutioneller Investor kaum selber leisten kann.

¹ Schätzung von Chestnut Advisory Group (https://chestnutadvisory.com/insights-3/#)

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*) Marjolein van Dongen, Chief Client Officer bei Anthos Fund & Asset Management. Das Investmenthaus gehört zu COFRA, der Holding der Eigentümergruppe innerhalb der Familie Brenninkmeijer.