Foundation | Welcome

Menu


Gastbeitrag: Wassersektor als Anlageklasse – defensiv, nachhaltig und chancenreich

Der jährlich am 22. März stattfindende Weltwassertag der Vereinten Nationen thematisiert dieses Mal den Erhalt der Gletscher. Denn deren Verlust hat tiefgreifende Auswirkungen wie Wasserknappheit, Meeresspiegelanstieg oder Gefahr für Ökosysteme. Nicht nur der Weltwassertag weist auf dieses zentrale Thema für die Gesellschaft hin. Auch das World Economic Forum stufte die drohende Wasserknappheit als eines der zehn größten globalen Risiken für die Menschheit ein. Zudem ist „Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen“ eines der 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Folgerichtig gewinnt „Wasser“ auch als chancenreiches nachhaltiges Investmentthema an Gewicht.

Daniel Fauser

Bis zu 2,4 Milliarden Menschen beziehungsweise 30% der Weltbevölkerung leben laut Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) in Regionen mit permanenter oder temporärer Wasserknappheit. Bis 2050 dürfte diese Zahl auf rund sechs Milliarden Menschen steigen. Die weltweite Nachfrage nach Frischwasser nimmt aufgrund des steigenden Wohlstands seit Jahrzehnten kontinuierlich und überproportional zum Bevölkerungswachstum zu. Gemäß UN lag der Nachfrageanstieg seit 1980 bei rund einem Prozent pro Jahr. Treiber des Frischwasserverbrauchs sind: Industrie, Landwirtschaft und Haushalte. Dem strukturellen Nachfragewachstum beim Frischwasser stehen fundamentale Veränderungen beim Wasserangebot gegenüber.

Global gesehen wird das nachhaltig nutzbare Oberflächenwasser aufgrund des Bevölkerungswachstums und des steigenden Wohlstands bereits heute übernutzt. Das Grundwasser kann einen Teil des fehlenden Oberflächenwassers zwar temporär kompensieren – jedoch meist nicht dauerhaft, da sich Grundwasser deutlich langsamer erneuert als Oberflächenwasser. Hinzu kommt: das Problem betrifft nicht alle Grundwasserspeicher gleich stark, da die Geschwindigkeit und die Zuflussmengen je nach Niederschlag und geologischen Gegebenheiten stark variieren können. Grundsätzlich sollte dem Grundwasser lokal nur so viel entnommen werden, wie auch jeweils nachhaltig nachgebildet werden kann. Der Klimawandel verstärkt das Problem noch zusätzlich, da sich das Angebot an lokal verfügbarem Frischwasser (Oberflächen- und Grundwasser) stark verändert. Deshalb spricht man bei diesem Missverhältnis von Wassernachfrage und -angebot von der so genannten „Wasserlücke“.

Hauptverantwortlich für die Übernutzung der nachhaltig verfügbaren Oberflächen- und Grundwasserreserven ist die Landwirtschaft. Gleichzeitig ist dies auch derjenige Wirtschaftszweig, der bei Wasserknappheit den größten Schaden erleidet. Bei anhaltender Übernutzung der Grundwasserreserven drohen diese im Extremfall komplett zu versiegen, was einen irreversiblen Vorgang darstellt und die Wasserversorgung ganzer Regionen gefährden kann. Die Übernutzung des Grundwassers hat nicht nur einen negativen Einfluss auf die Wasserverfügbarkeit, sondern auch auf die Wasserqualität. Durch tiefere Wasserstände steigt die Konzentration der vorhandenen Schadstoffe und Chemikalien zwangsläufig an. Dies kann dazu führen, dass gesundheitsgefährdende Grenzwerte überschritten werden und dadurch die Wasseraufbereitung mit zusätzlichen Kosten verbunden ist.

Schließung der Wasserlücke
Die Schließung der Wasserlücke bietet zahlreiche attraktive Investitionsmöglichkeiten im Wassersektor. Der Wassersektor als Ganzes verzeichnet unseren Schätzungen zufolge ein hohes Wachstum von zirka 4-6% pro Jahr. Das liegt deutlich über dem durchschnittlichen globalen Wirtschaftswachstum von zirka 2-3%. Die Wasserlücke kann nur durch eine effizientere Wassernutzung sowie einen wirksameren Wasserschutz verkleinert werden. Dies erfordert Investitionen in den Wassersektor im Allgemeinen und in dessen drei Sub-Investmentbereiche Wassertechnologie, Wasserversorgung und Wasserschutz im Speziellen. Der Wassersektor ist auch deshalb attraktiv, weil er zukünftig von disruptiven Veränderungen verschont bleiben sollte. Hinzu kommt: Wasser ist in den meisten Anwendungen schlicht nicht ersetzbar, was den defensiven Charakter von Wasser als Anlageklasse zusätzlich stärkt.

1. Wassertechnologie
Der Klimawandel verändert die Verfügbarkeit von nutzbarem Oberflächenwasser und bedroht das Grundwasser. Deshalb sind Investitionen in neue Wassertechnologien essenziell. Der Wassertechnologiesektor umfasst eine breite Anzahl von Märkten, die von Infrastrukturbauten, Rohrleitungen, Pumpen, Filtern, intelligenten Wasserzählern, Netzwerküberwachungstechnologien bis zu dedizierten Softwarelösungen reichen. Gemäß unseren Schätzungen beträgt das Marktwachstum zirka 8% pro Jahr.

2. Wasserversorgung
Die Wasserversorgung umfasst den Ausbau und den Betrieb von Wasserinfrastruktur. In den meisten Regionen der Welt liegt die Wasserversorgung in der Verantwortung der öffentlichen Hand. Der Markteintritt ist außerdem mit hohen Investitions- sowie wiederkehrenden Fixkosten verbunden, die sich über einen relativ langen Zeitraum amortisieren müssen. Beides trägt dazu bei, dass im Vergleich zur Wassertechnologie basierend auf unseren Schätzungen ein etwas tieferes Wachstum von zirka 4% pro Jahr erwartet werden kann.

3. Wasserschutz
Der dritte Investitionsbereich lässt sich in einen direkten und indirekten Teil gliedern. Der direkte Teil beinhaltet Unternehmen, die Lösungen zur Messung der Wasserqualität entwickeln und einsetzen sowie helfen, Wasser länger nutzbar zu machen, wie zum Beispiel durch die Entwicklung von Chemikalien. Der indirekte Wasserschutz orientiert sich nach dem Verursacherprinzip und bietet Präventionsmaßnahmen für besonders wasserintensive und wasserverschmutzende Industrien. Insgesamt stellt der Wasserschutz sowohl in Industrienationen als auch in Entwicklungs- und Schwellenländern eine zunehmende Herausforderung dar. In diesem Subsektor erwarten wir eine geschätzte Wachstumsrate von rund 7% pro Jahr.

Fazit
Aus unserer Sicht geht es uns vor allem darum, unter nachhaltigen Aspekten in Unternehmen zu investieren, die mit Produkten und Dienstleistungen für Verbesserungen in den einzelnen Sektoren der Wasserwirtschaft sorgen. Es sind in erster Linie Unternehmen, die Lösungen in den Bereichen Wassertechnologie, Wasserversorgung und Wasserschutz anbieten. Denn sie fördern einen effizienteren Umgang mit der nicht substituierbaren Ressource Frischwasser. Sie sind gut positioniert, um überdurchschnittlich vom strukturellen Nachfragewachstum nach Frischwasser und von Investitionen in die Wassereffizienz und den Wasserschutz zu profitieren.

---
*) Daniel Fauser ist Portfoliomanager Thematic Equities bei Swisscanto in Zürich und mitverantwortlich für den nachhaltigen Wasserfonds. Er promovierte an der Universität St. Gallen und ist Certified Environmental, Social and Governance Analyst.